Ein interdisziplinäres wissenschaftliches Team hat für die Darstellung der historischen, gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung Kärntens fünf Themenschwerpunkte erarbeitet, welche die inhaltliche Richtschnur für das Gesamtprogramm von CARINTHIja 2020 bilden:


  • Themenschwerpunkt Identität, Erinnerungskultur
  • Themenschwerpunkt Vernetzung, Nachbarn, Dialog
  • Themenschwerpunkt Migration
  • Themenschwerpunkt Demokratieentwicklung
  • Themenschwerpunkt Infrastruktur, (wirtschaftliche) Entwicklung, Raum(planung)

Themenschwerpunkt Identität, Erinnerungskultur


Identität beschreibt die Summe jener Eigenschaften und Besonderheiten, welche Einzelpersonen oder Gruppen als wesentlich für ihr Selbstverständnis ansehen und damit sich oder ihre Gruppe in ihrer eigenen Wahrnehmung von anderen abgrenzen. Was sind die Merkmale, die sich eine Person oder Gruppe zuschreibt und sich damit von anderen abgrenzt? Die Frage nach der Kärntner Identität auf Landesebene, aber auch nach der Zugehörigkeit zu sprachlichen, politischen oder anderen Gruppen bildete im Laufe des 20. Jahrhunderts immer wieder den Ausgangpunkt für politische, wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Die Frage nach dem „echten Kärntner“ ist ebenso Gegenstand wie jene nach der Entstehung bestimmter Identitätskonstruktionen mit inkludierendem bzw. exkludierendem Potential. Welche Eigentümlichkeiten tragen zur eigenen Identitätsstiftung bei, inwieweit stimmen Selbst- und Fremdwahrnehmung überein? In welchen Bereichen sind solche Identitätsbildungen für die eigene persönliche Entwicklung wichtig, wo hinderlich oder ausgrenzend?


Diskutiert werden Fragen der Identität und Alterität, der Identitätsbildung, der Selbst- und Fremdwahrnehmung, die Entwicklung der Denkmallandschaft und Gedenkkultur in Kärnten sowie (bis heute) gängige Narrative und Mythen. Im Fokus stehen dabei vergangene und gegenwärtige Entwicklungen ebenso wie Überlegungen zu weiteren Perspektiven hinsichtlich Identität, Erinnerungskultur und Narrativen in Kärnten.



Themenschwerpunkt Vernetzung, Nachbarn, Dialog


Die geopolitische Lage Kärntens hatte und hat große Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Bis heute ist die Entwicklung des Landes und seiner Bewohnerinnen und Bewohner maßgeblich geprägt vom Leben an und mit staatlichen, sprachlichen oder kulturellen Grenzen. Grenzen trennen einerseits, andererseits sind sie aber auch Kontaktzonen. Aus diesem Spannungsverhältnis heraus sind sowohl Konflikte (Nationalismus, Erster Weltkrieg, Sprachenstreit, Aussiedlungen, Verschleppungen, Vertreibungen, Partisanenkrieg, Grenzstreitigkeiten, Volksgruppenkonflikte, etc.) entstanden als auch fruchtbare Begegnungen und Orte des materiellen und immateriellen Austausches (Handel, Innovationen, Kunst und Kultur, etc.).


Abgebildet werden Formen und Intensität des Dialogs, der Vernetzung und des Austausches mit Nachbarn innerhalb Kärntens und über die Landesgrenze hinweg. Im Fokus sind vergangene und gegenwärtige Entwicklungen ebenso wie Überlegungen zu weiteren Perspektiven des Dialogs innerhalb Kärntens und darüber hinaus.



Themenschwerpunkt Migration


Im Laufe des 20. Jahrhunderts prägte freiwillige und unfreiwillige Migration in sehr unterschiedlichen Formen die Geschichte des Landes. Die Auslöser für Ortsveränderungen von Menschen waren unterschiedliche Schub- („push“-) oder Sogfaktoren („pull“-), wie etwa wirtschaftliche Bedingungen (besserer Verdienst, berufliche Perspektiven), Umweltfaktoren (Verschlechterung oder Verlust der Lebensgrundlagen, z. B. durch Trockenheit oder Katastrophen), Sicherheitsfaktoren (Kriege, Bürgerkriege, politisch instabile Verhältnisse) oder kulturelle Faktoren (Bildung, Kultur, Umsiedlung in der Jugend oder im Alter). Arbeitsmigration (wirtschaftlich motiviert), Flüchtlingsmigration (weltanschaulich, politisch motiviert, Kriegsfolgen) oder Familiennachzug spielen dabei ebenso eine Rolle wie illegale Migration in Verknüpfung mit Schlepperei oder Menschenhandel. Der Bogen spannt sich in Kärnten von den Flüchtlingen im und nach dem Ersten Weltkrieg über Vertreibungen von slowenischsprachigen Kärntnerinnen und Kärntnern nach der Volksabstimmung 1920, Auswanderungen in der Zwischenkriegszeit, der Vertreibung und Ermordung von Menschen während der NS-Zeit, Flucht, Vertreibung oder Verschleppung aufgrund von Kriegswirren, den nach Kärnten kommenden Flüchtlingen als Folge des Zweiten Weltkrieges, wirtschaftlich motivierten Ab- und Zuwanderungen bis hin zu den Flüchtlingen während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien in den 1990er Jahren oder der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016.


Veranschaulicht werden verschiedene historische Migrationsprozesse, die in Kärnten stattfanden. Zentral sind die Fragen: Wer kommt? Wer geht? Wer bleibt? Und warum? Im Fokus sind dabei vergangene und gegenwärtige Entwicklungen ebenso wie Überlegungen zu Perspektiven von Kommen, Bleiben und Gehen von und nach Kärnten.



Themenschwerpunkt Demokratieentwicklung


Demokratieentwicklung ist mehr als Parteiengeschichte oder die Entwicklung der konkreten (partei)politischen Repräsentanz und Abbildung der Machtverhältnisse in Kärnten. Es sollen zusätzlich Themen wie freie Wahlen, direkte Demokratie, Mehrheits- und Minderheitenrechte, Möglichkeiten der Opposition, Fragen der Gewaltenteilung, der Umgang mit Bürgerrechten, der Meinungsfreiheit etc. in Kärnten beleuchtet werden. Es geht um das Thema der Repräsentanz und die Frage, wer repräsentiert wird und wer nicht. Auf die Einführung des allgemeinen, freien und gleichen Wahlrechts für Männer und Frauen im Jahr 1918 sowie der Volksabstimmung von 1920, als Akt der direkten Beteiligung am politischen Geschehen, folgten auch in Kärnten die Einschränkung und Aushöhlung demokratischer Rechte in den 1930er Jahren und schließlich die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur im Jahr 1938. Die Nachkriegszeit wurde zuerst geprägt von den Auswirkungen der britischen Besatzungsmacht, später von einer Vorherrschaft der SPÖ bis Ende der 1980er Jahre und darauf folgend von wechselnden Mehrheiten in der politischen Vertretung.


Aufgeworfen werden Fragen der Demokratieentwicklung in Kärnten, der politischen Teilhabe und Teilnahme sowie der Entwicklung der Zivilgesellschaft. Im Fokus sind dabei vergangene und gegenwärtige Entwicklungen ebenso wie Überlegungen zu weiteren Perspektiven der Demokratie, der Repräsentanz und Bedeutung der (zivil)gesellschaftlichen Beteiligung der Bevölkerung in und über Kärnten.



Themenschwerpunkt Infrastruktur, (wirtschaftliche) Entwicklung, Raum(planung)


Die wirtschaftliche Lage Kärntens war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bestimmt von den Folgen des Kriegs und von dem bereits im 19. Jahrhundert einsetzenden Niedergang der Montanindustrie. Der Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 verschlimmerte die wirtschaftliche Situation. Geprägt von der infrastrukturellen Randlage aufgrund der neuen Grenzziehung, einer überwiegend schwachen Industrialisierung sowie kleinbetrieblicher und kleinbäuerlicher Strukturen war Kärnten in der Zwischenkriegszeit von einer hohen Arbeitslosigkeit betroffen. Die Folgen des Zweiten Weltkriegs verstärkten vorerst die wirtschaftliche Krise. Ab den 1950er Jahren erlebte das Land einen Aufschwung, Fremdenverkehr, Baugewerbe, Holz- und chemische Industrie waren Zugpferde. Trotz Umstrukturierungen und Ausbau der Infrastruktur hinkt die Kärntner Wirtschaft jedoch bis heute den anderen Bundesländern hinterher. In einigen Sparten sind mittlerweile deutliche Aufholprozesse erkennbar.


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