100 Jahre Kärntner
Volksabstimmung 1920–2020


Im November 1918 ist der Erste Weltkrieg zu Ende. Das große Reich der Habsburgermonarchie zerfällt. Auch die südslawischen Völker (Slowenen, Kroaten und Serben) gründen ihren eigenen Staat. Zusammen mit dem Königreich Serbien entsteht daraus bald Jugoslawien. Große Teile Kärntens sollen diesem Staat angeschlossen werden. Um diese Forderung durchzusetzen, besetzen südslawische Soldaten ab November 1918 Kärntner Städte und Dörfer.

Der Kärntner Landtag will die gewaltsame Teilung des Landes jedoch nicht zulassen. Er hat schon am 11. November 1918 den Beitritt der deutschsprachigen Teile Kärntens zur Republik Österreich erklärt. Die Bewohner der gemischtsprachigen Landesteile sollen selbst entscheiden, welchem Staat sie in Zukunft angehören wollen.

Am 5. Dezember 1918 beschließen die Abgeordneten, gegen die Besetzung Kärntens Widerstand zu leisten. Der Kärntner Abwehrkampf beginnt. Die Volkswehr (das damalige Bundesheer) und Freiwillige kämpfen gemeinsam. Sie befreien rasch große Teile des Landes.


Durch diese Kämpfe wird die Welt auf Kärnten aufmerksam. Amerikanische Wissenschaftler bereisen das umstrittene Gebiet. Sie berichten Präsident Wilson, dass die große Mehrheit – einschließlich vieler slowenischsprechender Kärntner – bei Österreich bleiben will. Der amerikanische Präsident tritt daher bei der Friedenskonferenz in Paris dafür ein, dass ganz Kärnten bei Österreich verbleiben soll. Andere Staatsmänner auf der Friedenskonferenz widersprechen ihm. Im Mai 1919 wird ein Kompromiss gefunden: Die Kärntner sollen selbst bei einer Volksabstimmung entscheiden, welchem Staat sie in Zukunft angehören wollen.

Während in Paris verhandelt wird, kommt es in Kärnten wieder zu Kämpfen. Im Juni 1919 siegt das jugoslawische Heer. Klagenfurt wird besetzt. Die Landesregierung flieht nach Spittal an der Drau. Tausende Menschen flüchten und müssen lange Zeit in Notquartieren leben. Bei den Kämpfen um Kärnten sterben auf beiden Seiten mehr als 420 Menschen, darunter auch zahlreiche Frauen und Kinder.


Ein Waffenstillstand wird ausgehandelt. Kärnten wird geteilt. Die Grenze („Demarkationslinie“) zwischen dem jugoslawisch besetzten Teil und dem übrigen Kärnten verläuft mitten durch den Wörthersee und die Landeshauptstadt Klagenfurt.


Im September 1919 sind die Friedensverhandlungen endlich abgeschlossen. Im Pariser Vorort St. Germain wird der Vertrag über Österreich unterschrieben. Aus dem großen Habsburgerreich wird die kleine Republik Österreich.

Auch Kärnten verliert einige Gebiete. Das Kanaltal (Valcanale) mit der Stadt Tarvis (Tarvisio) kommt zu Italien, das Mießtal (Mežiška dolina) mit Unterdrauburg (Dravograd) und die Gemeinde Seeland (Jezersko) an Jugoslawien.


Im Klagenfurter Becken soll eine Volksabstimmung abgehalten werden. Die Menschen dürfen selbst bestimmen, zu welchem Staat sie gehören wollen. Zunächst soll in der Zone I abgestimmt werden. Nur wenn die Menschen sich hier für Jugoslawien entscheiden, soll auch in der Zone II eine Abstimmung stattfinden.


Österreich und Jugoslawien werben intensiv um die Menschen im Abstimmungsgebiet. Zahlreiche Versammlungen werden abgehalten, große Mengen an Flugblättern und Zeitungen gedruckt. Viele Freiwillige kümmern sich um die Verteilung. Die Mehrheit der Wähler in der Zone I ist slowenischsprachig. Darauf nimmt die österreichische Wahlwerbung Rücksicht. Daher gibt es auch viele Druckschriften in slowenischer Sprache.

Am 10. Oktober 1920 stehen die Menschen in der Zone I vor einer schwierigen Entscheidung. Die Beteiligung an der Abstimmung ist sehr hoch. 95 Prozent der Wähler stimmen gültig ab. Alles verläuft ruhig.


Drei Tage dauert es, bis alle Stimmen ausgezählt sind. Am Abend des 13. Oktober ist es endlich soweit. Die internationale Kommission verkündet am Neuen Platz in Klagenfurt das Ergebnis: 22.000 Menschen stimmten für Österreich, 15.000 für Jugoslawien. Eine deutliche Mehrheit von fast 60 Prozent hat sich für den Verbleib Kärntens bei Österreich ausgesprochen. Mehr als 10.000 slowenischsprachige Kärntner stimmten für Österreich. Sie haben damit entscheidend zum klaren österreichischen Erfolg beigetragen. Am 10. Oktober 1920 haben sich deutsch- und slowenischsprachige Kärntner gemeinsam für eine ungeteilte Heimat entschieden und ein Bekenntnis zur Republik Österreich abgelegt.

In Kärnten durften die Menschen 1920 in freier Selbstbestimmung über den Staat entscheiden, dem sie angehören wollten. Fast überall anders in Europa wurden die neuen Grenzen ohne Mitsprache der Betroffenen festgelegt.


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